LMRA Last Minute Risk Analysis – Der SCC Baustein

Haben wir überhaupt die nötige Zeit um uns mit Arbeitssicherheit zu beschäftigen? Nach einer Schlagzeile der „Zeit Online“ von 2012 zu urteilen, die da lautet „Zahl tödlicher Arbeitsunfälle steigt drastisch an“, haben viele Unternehmen diese Frage anscheinend mit „Nein“ beantwortet. Laut „Zeit Online“ ist in 2010 die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle in Deutschland erstmals seit vier Jahren wieder angestiegen. 674 Menschen kamen bei ihrer Arbeit ums Leben. Das ergibt eine Steigerung um 8 Prozent. Auch der Umfang der Arbeitsunfälle insgesamt hat in ähnlicher Größenordnung zugenommen, da 2010 mehr als eine Million Arbeitsunfälle gemeldet wurden. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat in ihrem Bericht als Schuldigen die brummende Wirtschaft mit dem erhöhten Arbeitstempo ausgemacht. Lesen Sie den Bericht der BAuA weiter, stoßen Sie auf die Zahl 39 Milliarden Euro. Diese Kosten entstanden in 2010 durch Arbeitsunfähigkeit, nur gemessen an den damit verbundenen Lohnkosten. Ein gewichtiges Argument für Arbeitssicherheit, trotz oder wegen hoher Arbeitsbelastung. Verstärken Sie deshalb das Bewusstsein Ihrer Mitarbeiter für Gefahren am Arbeitsplatz mittels Last Minute Risk Analysis LMRA des neuen SCC Regelwerks ( SCC = Sicherheits Certifikat Contraktoren).

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Warum benötigen wir ein weiteres Arbeitssicherheitssystem?

Kontraktoren (Lieferanten) technischer Dienstleistungen und Personaldienstleister sehen sich bei deren Tätigkeiten in den Kunden-Unternehmen häufig für sie unbekannten bzw. ungewohnten Gefahren und Risiken ausgesetzt. Ganz besonders trifft dies für den Einsatz in Raffinerien, chemischen Werken, Kraftwerken oder auch Stahlwerken zu.

Kontraktoren sind Unternehmer, die auf Basis eines Dienst- oder Werkvertrages bestimmte technische, dienst- oder werkvertragliche Leistungen erbringen.
Personaldienstleister sind Unternehmen, die ihren Auftraggebern Personal überlassen und dort Arbeiten gemäß Arbeitnehmerüberlassungsgesetz
(AÜG) ausführen.

Ziel der Auftraggeber ist es, die Mitarbeiter der in ihrem Verantwortungsbereich tätigen Fremdfirmen durch eine systematische Vorgehensweise mit den besonderen Gefahren im Arbeitsumfeld vor Ort vertraut zu machen. Dazu wurde, ursprünglich in den Niederlanden, ein für Unternehmen der Petrochemie passender und zertifizierbarer Leitfaden für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz entwickelt, der später auch verstärkt in der Chemischen Industrie gefordert wurde. Mittlerweile wurde die Forderung der Auftraggeber nach einem anerkannten Arbeitsschutz- Managementsystem auch in andere Branchen übernommen und steht oft als K.-O.-Kriterium vor der Angebotsphase. Die Chemische Industrie ging bei der Konzeption vom SCC Regelwerk über die gesetzlichen Forderungen hinaus. So ist z.B. eine Unfallstatistik mit dem Einhalten einer Obergrenze der Unfallhäufigkeit (UH nach SCC ) für eine Zertifizierung notwendig. Weiterhin müssen alle operativ tätigen Führungskräfte (z.B. Bauleiter, Projektleiter, Meister, Techniker, Poliere, etc.) über die erforderlichen SGU-Kenntnisse verfügen und diese durch eine erfolgreich absolvierte, an erkannte SGU-Prüfung nachweisen!

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Aufbau und Struktur vom SCC / SPC Regelwerk

Durch ihr Managementsystem und durch das Verhalten ihrer Mitarbeiter wirken Lieferanten wesentlich auf den Sicherheitsstandard ihrer Auftraggeber und damit auch auf deren Qualitätsstandard ein. Aus diesem Grunde prüfen die Auftraggeber der Industrie die SGU-Managementsysteme (SGU = Sicherheit, Gesundheitsschutz und Umweltschutz) der Lieferanten (Kontraktoren und Personaldienstleister) vor und während der Leistungserbringung. Um ein einheitliches und vergleichbares Prüfverfahren zu gewährleisten, wurden entsprechende Checklisten erstellt. In diesen Checklisten sind die Anforderungen an ein SGU-Managementsystem für eine externe Zertifizierung fest gelegt. Das SGU-System differenziert bei der Zertifizierung 2 Betriebskategorien (Scopes):

 

Scope I – Kontraktoren, d.h. produzierendes Gewerbe SCC
Bei der SCC Zertifizierung wird zwischen 3 möglichen Zertifikaten unterschieden:

  • SCC *= eingeschränktes Zertifikat Dieses eingeschränkte Zertifikat beurteilt die SGU-Managementaktivitäten direkt am Arbeitsplatz. Es ist für kleine Unternehmen mit durchschnittlich ≤35 Beschäftigten pro Kalenderjahr bestimmt, die selbst keine Subunternehmen ein – setzen. Für die Erteilung des Zertifikates müssen festgelegte Pflichtfragen zu 100 Prozent richtig erfüllt sein.
  • SCC **= uneingeschränktes Zertifikat Dieses uneingeschränkte Zertifikat beurteilt die SGU-Managementaktivitäten sowohl direkt am Arbeitsplatz, als auch das SGU-Managementsystem des Unternehmens. Es ist für Unternehmen mit durchschnittlich mehr als 35 Beschäftigten pro Kalenderjahr bestimmt. Für die Erteilung des Zertifikates müssen Pflicht- und Ergänzungsfragen zu 100 Prozent richtig erfüllt sein.
  • SCCP = uneingeschränktes Zertifikat für die Petrochemie Neben den unter SCC ** genannten Kriterien müssen ergänzend spezielle Anforderungen der petrochemischen Industrie erfüllt werden.

 

Scope II – Personaldienstleister SCP
Dieses Zertifikat können ausschließlich Personaldienstleister erlangen, die ein SGU-Managementsystem implementiert haben. Für die Erteilung des Zertifikates müssen Pflicht- und Ergänzungsfragen zu 100 Prozent richtig erfüllt sein.

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SCC / SCP Regelwerk – Dies ist der aktuelle Stand

Das SCC / SCP Regelwerk wurde in den Niederlanden bereits 1994 zur Zertifizierung zugelassen. Nach dessen erfolgreicher Einführung wurde im September 1995 ein an deutsches Recht angepasstes SCC Zertifizierungssystem entwickelt und in das deutsche Akkreditierungssystem aufgenommen. Bis 2010 war das Sekretariat des Unter-Sektorkomitees Sicherheits Certifikat Contraktoren (U-SK SCC ) der bisherigen TGA/DGA („ SCC Sekretariat “) „normativ“ tätig.

Seit der letzten Überarbeitung in 2011 wird die Aktualisierung und Pflege vom SCC / SCP Regelwerk von der DGMK Deutsche Wissenschaftliche Gesellschaft für Erdöl, Erdgas und Kohle e.V. wahrgenommen. Für die Akkreditierungsvorgaben ist jedoch die DAkkS GmbH zuständig. In den neuesten Checklisten und erläuternden Dokumenten der Version 2011 sind die Erfahrungen der letzten Jahre sowie die überarbeiteten niederländischen Checklisten VCA und VCU berücksichtigt.

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LMRA Last Minute Risk Analysis – Eine wesentliche Neuerung der SCC Version 2011

Auf der Internetseite der DGMK finden Sie eine ausführliche Gegenüberstellung der alten SCC Checkliste (Dokument 003, Version 2006) mit der neuen SCC Checkliste (Dokument 003, Version 2011). Die Checklisten der Version SCC 2011 wurden z.B. bei folgenden Punkten erweitert:

• Durchführung von SCC Compliance-Audits und -Bewertung
• Definition von SGU-Unternehmenszielen und -Maßnahmen
• LMRA Last Minute Risk Analysis
• Unterweisung nach speziellen SGU-Vor – gaben des Auftraggebers
• Bewertung von Subunternehmern
• Definition von Unfalluntersuchungsmethoden
• Aktivitäten bei Unfallhäufigkeitsquoten unter Schwellenwert

Eine sehr wesentliche Neuerung der SCC Version 2011 ist die Last Minute Risk Analysis , ein Werkzeug, um das Bewusstsein zur Risikobewertung und Risikominderung zu erhöhen – mit dem speziellen Fokus auf die Gefahr am Arbeitsplatz. LMRA Last Minute Risk Analysis ist eine kurze Beurteilung, die unmittelbar vor Beginn der Arbeiten am Arbeitsplatz durch Beschäftigte, die die Arbeit verrichten, durchgeführt wird. Die Beschäftigten haben unmittelbar vor Arbeitsbeginn auf Baustellen, bei Montageeinsätzen etc. zu prüfen, ob alle Gefährdungen erkannt und geeignete Gegenmaßnahmen ergriffen wurden. Es wird ein festgelegtes Verfahren und die systematische und konsequente Durchführung der LMRA gefordert.

Das Ziel der Last Minute Risk Analysis ist, dass alle (potenziellen) Sicherheits-, Gesundheits- und Umweltgefahren am Arbeitsplatz von den Beschäftigten identifiziert werden, um Unfälle zu verhindern. Um das Bewusstsein zur Risikobewertung und Risikominderung zu erhöhen gelten bei der Nutzung der LMRA Last Minute Risk Analysis folgende Regeln:

• Die Beurteilung soll direkt vor Beginn der Arbeiten am Arbeitsplatz erfolgen.
• Die LMRA kann mittels Checklisten oder Karten umgesetzt werden.
• Die LMRA Last Minute Risk Analysis erfolgt durch Beschäftigte, die die Arbeit selbst verrichten.
• Falls eine LMRA Last Minute Risk Analysis anzeigt, dass es Risiken bei der Durchführung der geplanten Arbeiten gibt, dann darf erst dann mit der Arbeit
begonnen werden, nachdem alle Risiken durch geeignete Maßnahmen beseitigt wurden.