Arbeitsschutz bei Hitze am Arbeitsplatz – Hitzearbeit

Im Sommer kommt es oft vor, dass die Temperaturen im Büro oder in Werkhallen überdurchschnittliche Werte annehmen und sich unangenehm oder negativ auf die Situation am Arbeitsplatz auswirken. So können mangelnde Arbeitsleistung und –motivation sowie eine Zunahme von Arbeitsunfällen Folgen von Hitze am Arbeitsplatz sein. Abhilfe kann durch den Arbeitgeber geschaffen werden, aber besteht dazu auch eine gesetzliche Pflicht? In der Arbeitsstättenrichtlinie ASR Nr. 6 „Raumtemperaturen“ wird zwar festgehalten, dass die Raumtemperatur 26°C nicht übersteigen sollte, aber je nach Witterung sind hier auch Ausnahmen zulässig, weshalb man hier nicht von einer verpflichtenden Temperatursenkung sprechen kann. § 5 des Arbeitsschutzgesetz verpflichtet den Arbeitgeber jedoch zur Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung, die eine Bewertung der Temperaturen im Sommer und Winter beinhaltet. Diese Gefährdungsbeurteilung bewertet neben der Temperatur auch Faktoren wie Luftfeuchtigkeit, Wärmestrahlung und Zusatzfaktoren wie Arbeitsbelastung, Pausenregelungen und gesundheitlicher Zustand der Beschäftigten.

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Handlungsanleitungen für die Gefährdungsbeurteilung

Diese Handlungsanleitungen können Sie für die Gefährdungsbeurteilung bei hohen Lufttemperaturen nutzen:

•  Die Handlungshilfe BGI 7003 „Beurteilung des Raumklimas“ für KMUs
•  Die Handlungshilfe BGI 7002 „Beurteilung von Hitzearbeit “ für KMUs
•  Die Handlungshilfe BGI 579 „ Hitzearbeit : Erkennen – Beurteilen –
Schützen

•  Die Handlungshilfe BGI 7004 „Klima im Büro – Antworten auf die häufigsten
Fragen
“ – Reihe „Gesund und fit im Kleinbetrieb

Diese Regelwerke sehen vor, dass zur gemessenen Temperatur verschiedene Temperaturzuschläge addiert werden, wenn die Tätigkeit direkten Einfluss auf die Wärmebelastung der Beschäftigten hat. Hier werden besonders erhöhte Luftfeuchtigkeit, fehlende Luftgeschwindigkeit oder isolierende Arbeitskleidung berücksichtigt. So kann es zu einer Arbeitsplatz Temperatur kommen, die über der real gemessenen Lufttemperatur liegt.

Hieraus leitet sich der Begriff Hitzearbeit ab, der Tätigkeiten beschreibt, die zusätzlich zu hoher Lufttemperatur durch schwere körperliche Arbeit und isolierende Bekleidung charakterisiert sind. Mögliche Beispiele für Hitze am Arbeitsplatz – Hitzearbeit sind Arbeiten in Hochöfen und Gießereien, auf Baustellen aber auch im gastronomischen Bereich als Pizzabäcker oder Hähnchenbrater. In diesen Bereichen verpflichtet der Grundsatz G 30 im Anhang Teil 3 der neuen ArbMedVV zu arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen.

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Maßnahmen zur Implementierung eines Arbeitsschutz Managementsystems

Bei Implementierung eines Arbeitsschutz Managementsystem OHSAS 18001 werden solche Gefährdungsbeurteilungen durch Zertifizierer und Auditoren überprüft und seit 2007 wird auch eine Priorisierung der Gefährdungen verlangt. Bei externen Audits würde eine fehlende Gefährdungsbeurteilung als Abweichung registriert und eine Durchführung einer fachgerechten Gefährdungsbeurteilung gefordert werden. Als Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung werden konkrete Schutzmaßnahmen gegen Überhitzung festgehalten, die sich in drei Bereiche gliedern lassen.

Technische Maßnahmen zum Arbeitsschutz bei Hitze am Arbeitsplatz

•  fest installierte Klimaanlage
•  mobile Klimaanlage
•  Ventilatoren
•  außen angebrachte Jalousien, Markisen und Wärmeschutzgläser

Im Fall von Hitze am Arbeitsplatz ist eine Klimaanlage nicht in jedem Unternehmen gerechtfertigt, da in Deutschland oft nur an wenigen Tagen im Jahr überdurchschnittlich hohe Temperaturen herrschen und die Belastung durch Zugluft und Lärm ebenfalls berücksichtig werden muss. Hiervon können, besonders bei hohen Differenzen zur Außentemperatur, gesundheitliche Gefährdungen ausgehen. Einfachste Maßnahme bei Hitze am Arbeitsplatz ist die Nutzung eines Tischventilators, der für Kühlung sorgt. Außenjalousien und Ähnliches sollten bereits in der Planungsphase eines Gebäudes Berücksichtigung finden und sollten durchgehend gewartet werden, um im Bedarfsfall dann auch tatsächlich genutzt werden zu können.

Organisatorische Maßnahmen zum Arbeitsschutz bei Hitze am Arbeitsplatz

•  Lüftung
•  Reduzierung zusätzlicher Wärmequellen durch Abschaltung ungenutzter elektronischer Geräte
•  Arbeitszeitanpassung an Temperatur
•  Gleitzeitregelungen
•  Verlängerung von Pausen
•  Einführung zusätzlicher Pausen
•  Heimarbeit wenn möglich
•  Schwere körperliche Arbeit vermeiden oder in kühlere Tageszeit verlagern
•  Reduzierung der Aufenthaltsdauer in besonders warmen Bereichen oder Festlegung von Nutzungszeiträumen für bestimmte Maschinen, um zusätzliche Wärmeerzeugung gering zu halten.

Mehrere kurze Pausen führen zu größerer Entlastung als wenige lange Pausen. Besonders bei hohen Temperaturen sollte der Pausenrythmus dahingehend angepasst und z.B. bei Temperaturen von über 35°C auf zwei Pausen von jeweils 15 Minuten pro Stunde Arbeitszeit eingeführt werden. Als ebenfalls sehr effektiv erweist sich die Querlüftung. Querlüftung bezeichnet das kurzfristige Öffnen von Türen und Fenstern auf gegenüberliegenden Gebäudeseiten. Diese Lüftungsmethode ist der Stoßlüftung (unkoordiniertes Öffnen von Fenstern) oder der Spaltlüftung (Fenster auf Kipp) vorzuziehen.

Zusätzlich gibt es noch Maßnahmen zum Arbeitsschutz , die speziell auf die Arbeit bei Hitze im Freien Anwendung finden:

•  Bereitstellung von Getränken (Wasser, ungezuckerter Tee, keine Limonaden!)
•  Anhalten der Belegschaft ausreichende Flüssigkeitsmengen zu sich zu nehmen
•  Schattenplätze für Pausen gewährleisten
•  Stündliche Kurzpausen bei sehr hohen Temperaturen
•  Tragen von geeigneten Sonnenbrillen, Kopfbedeckungen und leichter Kleidung
•  Verlegung der schwersten Arbeit in die Morgenstunden
•  Gegebenenfalls arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen
•  Berücksichtigung eventueller Leistungsverluste durch Hitze am Arbeitsplatz bei der Arbeitsplanung

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Personenbezogene Maßnahmen zum Arbeitsschutz bei Hitze am Arbeitstag

•  ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen (bis zu 2,5 Liter pro Tag)
•  Bekleidung an Temperaturen anpassen; eventuell Kleidungszwang lockern.
•  Regelmäßige Kühlung durch kaltes Wasser, kühle Tücher oder Fußbäder

Bei der Getränkeauswahl ist besonders darauf zu achten, dass man sehr kalte Getränke meiden sollte, da diese den Kreislauf zusätzlich belasten und dafür sorgen, dass der Körper weitere Wärme produziert. Auch alkoholische oder stark koffeinhaltige Getränke und schwere Kost sollten vermieden werden. Leichte Mahlzeiten sind bei hohen Temperaturen und Hitze am Arbeitsplatz besser geeignet. Es bietet sich an die organisatorischen und personenbezogenen Maßnahmen zum Inhalt interner Schulungen zu machen, um die Grundlagen des Einsatzes der entsprechenden Maßnahmen verbindlich festzulegen. Die richtige Einschätzung von Gefährdungen durch Hitze am Arbeitsplatz und der zu ergreifenden Maßnahmen zum Arbeitsschutz Hitze kann für eine Reduzierung der Belastungen auf ein erträgliches Maß sorgen. Die Anwendung der Schutzmaßnahmen macht Koordination und Kommunikation innerhalb des Unternehmens erforderlich, da nur so die größtmögliche Wirkung erzielt werden kann.